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Strompreis stieg im Sommer auf Zehnjahres-Hoch

09.09.2018 — 

Alpine Wasserkraftwerke profitierten diesen Sommer von stark steigenden Preisen auf dem mitteleuropäischen Strommarkt.

Im Winter, wenn wenig Wasser fliesst und die Bevölkerung viel Elektrizität verheizt, ist Strom in der Schweiz knapp und der Marktpreis hoch. Im Frühling und Sommer, wenn die Schnee- und Gletscherschmelze viel Wasser auf die Turbinen leitet, produziert die Schweiz Strom im Überfluss, und die Preise auf dem Strommarkt tauchen.

Strompreis 2018 im Sommer höher als im Winter

Von dieser langjährigen Regel wich die Entwicklung im laufenden Jahr deutlich ab. Das belegen die Spotmarkt-Preis an der europäischen Strombörse Epexspot für die Schweiz (Swissix): In den Monaten Juni bis August 2018 stiegen diese kurzfristigen Marktpreise auf das höchste Sommer-Niveau seit dem Jahr 2008 (dem Jahr vor der grossen Finanz- und Wirtschaftskrise).

Konkret: Im Schnitt der drei Sommermonate 2018 kostete eine Megawattstunde (MWh) Bandstrom gemäss Swissix 50 Euro oder umgerechnet annähernd 6 Rappen pro Kilowattstunde (kWh). Der Markpreis für Sommerstrom lag damit 2018 um 50 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Und er übertraf sogar den durchschnittlichen Marktpreis in den winterlichen Monaten Januar bis März 2018 (49 Euro/MWh).

Die gleiche Entwicklung, aber auf etwas tieferem Niveau, gab es in Frankreich und Deutschland. Und in den ersten Septembertagen stiegen die Marktpreise in allen drei Staaten weiter.

Die Preise für Spitzenstrom an Werktagen (Peak) lagen 2018 im Schnitt um 15 Prozent über den Base-Preisen. Die Peak-Preise, gemäss Swissix 6,8 Rappen/kWh im Schnitt des Sommers 2018, sind relevant für die Betreiber von Wasserkraftwerken mit Speicherbecken, weil diese ihr Wasser gezielt dann verstromen können, wenn die Preise hoch sind.

Hohe Temperaturen, wenig Regen, warmes Flusswasser

Die Gründe für diese aussergewöhnliche Entwicklung: Der Sommer 2018 war in der Schweiz und in Mitteleuropa einer der wärmsten seit Beginn der Messungen. Das erhöhte den Stromverbrauch für die Aufbereitung von Trinkwasser sowie die Kühlung von Lebensmitteln und Gebäuden. Verbrauchszahlen für die Sommermonate 2018 stehen zwar noch aus. Doch als Faustregel rechnen Stromversorger: «Pro Temperaturgrad, das über dem sommerlichen Durchschnitt liegt, steigt der Stromverbrauch um ein Prozent.»

Ausserdem fiel schon seit April weit weniger Regen als in Normaljahren. Damit sanken die Pegel in den Flüssen, was die Stromproduktion in Flusskraftwerken verminderte. Gleichzeitig stiegen die Wassertemperaturen in den Flüssen. Das zwang Betreiber von mehreren Atom- und Kohlekraftwerken, die Kühlung und damit die Produktionsleistung ihrer Kraftwerke zu drosseln. In der Schweiz betraf das die flussgekühlten AKW in Mühleberg und Beznau, in Deutschland die Atommeiler Philippsburg im Süden sowie Grohnen und Brokdorf im Norden. Damit sank das Angebot an Strom und die Marktpreise stiegen. Mit dem Klimawandel steigt das Risiko, dass den Kraftwerkbetreibern das Kühlwasser ausgeht.

Alpine Wasserkraftwerke profitierten

Nutzniesser dieser aussergewöhnlichen Situation waren die Betreiber von Wasserkraftwerken in den Alpen. Denn Ende Winter 2018 lag dort noch reichlich Schnee. Die warmen Temperaturen leiteten darum in den Frühlings- und Sommermonaten überdurchschnittlich viel Schmelzwasser aus Schnee und Gletschern via Stauseen auf die Turbinen der alpinen Speicher-Kraftwerke. «Unsere Speicherkraftwerke in den Alpen und die Kraftwerke im Gletschereinzugsgebiet weisen überdurchschnittliche Produktionszahlen auf», bestätigt Tobias Habegger, Sprecher der Berner BKW-Energie AG, die über einen hohen Anteil an speicherbarer Wasserkraft verfügt.

Das Wasser in Speicherwerken lässt sich gezielt tagsüber verstromen, wenn die Marktpreise (Peak) höher sind als die Bandstrompreise (Base). Die Klage der subventionsfordernden Stromlobby über die angeblich «unrentable Wasserkraft», verliert damit zusätzlich an Glaubwürdigkeit. Und die Forderung nach Senkung der Wasserzinsen lässt sich noch weniger rechtfertigen.

Auch langfristig steigen die Strompreise

Während Betreiber von Speicherkraftwerken ihren Strom kurzfristig vermarkten können und damit von steigenden Spotmarktpreisen profitieren, verkaufen die Besitzer von Atom- oder Kohlekraftwerke ihren nuklearen oder fossilen Bandstrom mehrheitlich am Terminmarkt; dies mit einer Vorlaufzeit von zwei bis drei Jahren, betonen Sprecherinnen von Schweizer Stromkonzernen. Diese Terminpreise lagen in den letzten Jahren (2015 bis 2017) meist unter den vollen Gestehungskosten von Atom-, Gas und zum Teil auch Kohlekraftwerken, was den Produzenten von Bandstrom hohe Verluste bescherte.

Doch die Preisbaisse am Terminmarkt, die nach der Finanzkrise ab 2009 begann und sich in den letzten Jahren verschärfte, scheint ebenfalls der Vergangenheit anzugehören. So stiegen die Strompreise im Terminmarkt in den letzten Monaten ebenfalls deutlich. Beispiel: Für eine Megawattstunde Bandstrom fürs Kalenderjahr 2019 zahlten Käufer im März 2018 noch 35 Euro. In den ersten Septembertragen stieg dieser Terminpreis auf rund 50 Euro und damit um mehr als 40 Prozent.

Der Anstieg der Terminpreise sei primär auf steigende Kohle-, Gaspreise sowie CO2-Emissionszertifikate zurückzuführen, erklären Befragte von Axpo. BKW und Alpiq übereinstimmend. Mit einem Timelag von etwa zwei Jahren wird dieser Anstieg der Terminpreise auch die finanziellen Erträge aus der Bandstrom-Produktion erhöhen.

Der Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie, die Stilllegung des KKW Mühleberg in der Schweiz und mehreren AKW in Frankreich wird das Angebot an Strom in Mitteleuropa weiter verknappen und verteuern. Zudem dürften die Kosten für den Kohlestrom als Folge von höheren Preisen für CO2-Emissionszertifikaten steigen. Das gilt sowohl im Winter-, zunehmend aber auch im Sommerhalbjahr.

Davon profitieren neben Betreibern von Wasserkraftwerken auch Personen, die in Fotovoltaik-Anlagen investieren. Denn trotz schrumpfenden Subventionen dürfte die Wirtschaftlichkeit von Solaranlagen mittelfristig steigen.

Höhere Preise lindern Stromverschwendung

Auf der andern Seite müssen Verteilwerke ohne eigene Produktion und zum Markt zugelassene Grossverbraucher mehr Geld für ihren Strom auslegen. Mittelfristig werden auch die im Monopol verbleibenden Kleinkonsumenten mit Tarifaufschlägen rechnen müssen. Das ist gut so. Denn steigende Strompreise vermindern die Stromverschwendung in Wirtschaft, Verkehr und Haushalten.

Quelle: Infosperber