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Studie: Schweiz blockiert Photovoltaik als kostengünstige Stromquelle

06.11.2018 — 

Photovoltaikstrom in der Schweiz ist heute günstiger als jede andere Kraftwerkstechnik. Photovoltaik, Windenergie und Wasserkraft bilden eine gute Basis, um die Klimaziele des Pariser Abkommens in dem Land rasch und kostengünstig zu erreichen, heißt es in einer neuen Studie. Allerdings werde »diese technologische Revolution blockiert«, so die Autoren Rudolf Rechsteiner, Ruedi Meier, Urs Muntwyler und Thomas Nordmann. Während die Reserven im Netzzuschlagsfonds Ende 2018 voraussichtlich eine Milliarde Franken übersteigen würden, bliebe das Potenzial von Zehntausenden Photovoltaikanlagen durch jahrelange Wartefristen ungenutzt, »obwohl neue Solarstromanlagen pro eingesetzten Franken aus dem Netzzuschlag 5 bis 50 Mal mehr Strom als alle andere Techniken liefern«. Photovoltaik könne auch im Winterhalbjahr den günstigsten Strom liefern, die Versorgungssicherheit lasse sich mittels Photovoltaik »namhaft verbessern«, und der Import von Strom könnte auch im Winterhalbjahr sinken. Neue Solaranlagen seien laut Studie kostengünstiger als der Bau von neuen Kraftwerken mit Wasserkraft, Biomasse, Biogas oder Geothermie.
Das Interesse von Investoren an Photovoltaik sei unverändert groß. Doch Bundesrat und Parlament blockierten die Photovoltaik trotz inzwischen stark gesunkenen Kosten. »Dass der Ausbau nach der Volksabstimmung von 2017 klein gehalten wird, obschon die Solarenergie den Netzzuschlagsfonds pro Kilowattstunde am geringsten belastet, widerspricht dem Volkswillen und war so nicht zu erwarten.«
Die Autoren der Studie zeigen, mit welcher Energiepolitik das ökologische Profil der Stromversorgung verbessert, die einheimische Wertschöpfung im Energiesektor gestärkt, die Versorgungssicherheit erhöht und die Kosten insgesamt gesenkt werden können. Um den Ausbau voranzutreiben, fordern sie unter anderem, die Höhe der Einmalvergütungen bis 2023 nicht weiter zu verringern, die Wartefristen für kleine Solarstromanlagen unter drei Monate und für Großanlagen unter sechs Monate zu senken sowie die Bewilligungsverfahren zu beschleunigen und die Nutzungsrechte im bebauten Raum zu erweitern, etwa auf öffentlichen Infrastruktureinrichtungen. Überdies sollten Eigenverbrauchsgemeinschaften rechtlich weiter als bisher liberalisiert werden. Der Weiterverkauf von lokal erzeugtem Solarstrom über mehrere Parzellengrenzen hinweg müsse kostenlos und unbegrenzt möglich sein. Außerdem solle für photovoltaische Großanlagen ohne Eigenverbrauch die Einspeiseprämie probeweise mit Ausschreibungen ermittelt werden.
Die Studie «Photovoltaik als kostengünstigste Stromquelle dauerhaft blockiert? – Analyse der Mittelverwendung aus dem Netzzuschlag 2008-2019 und Vorschläge zur Optimierung« wurde von der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES) herausgegeben. Sie ist als PDF (58 Seiten) kostenfrei erhältlich unter »www.energiestiftung.ch« (Pfad: Infomieren-Publikationen).

Quelle: Photon