Produktion von Solarstrom hat sich 2013 nahezu verdoppelt

2,1 Quadratkilometer beträgt die Fläche der Solaranlagen, die 2013 neu gebaut wurden. Und dies trotz politischen Problemen, wie der Verband Swissolar erklärt.

Die im abgelaufenen Jahr neu installierten Photovoltaikanlagen liefern künftig pro Jahr 280 Millionen Kilowattstunden Strom, dies entspricht etwa dem Verbrauch von fast 100 000 Haushaltungen. Zusammen mit den bestehenden Anlagen konnte die gesamte Solarstromproduktion 2013 auf eine Jahresproduktion von etwa 600 Millionen Kilowattstunden gesteigert werden. «Damit hat sich die Produktion von Solarstrom im Jahr 2013 fast verdoppelt», sagt David Stickelberger, Geschäftsleiter des Branchenverbands Swissolar, der diese Werte mit einer Umfrage bei den grössten Installationsfirmen erhoben hat. Die Solaranlagen in der Schweiz trugen letztes Jahr erstmals 1 Prozent zur gesamten Stromproduktion bei.

Allerdings schwächt sich das Wachstum ab: 2012 wurden noch über 60 Prozent mehr Solarpanels montiert als im Jahr zuvor. 2013 betrug die Zunahme gegenüber dem Vorjahr jedoch bloss noch gut 30 Prozent. Der Präsident von Swissolar, SP-Nationalrat Roger Nordmann, führt dies auf politische Turbulenzen im Sommer zurück: «Von August bis Oktober herrschte bei den Investoren eine riesige Verunsicherung, ob Photovoltaikanlagen überhaupt noch kostendeckend betrieben werden können – in dieser Zeit wurde fast nichts bestellt.» Grund war die Ankündigung des Bundes, die Dauer der Unterstützungszahlungen für Anlagen von 25 auf 15 Jahre und auch die Höhe der Beiträge zu kürzen. Im Oktober legte sich der Bundesrat dann auf weniger einschneidende Massnahmen fest – trotzdem führte die Aussicht auf geringere Unterstützung ab 1. Januar 2014 im Spätherbst 2013 zu einem Run: «Viele der Investoren wollten noch von den grosszügigeren Angeboten profitieren», sagt Nordmann.

Für die beiden nächsten Jahre zeigt sich der Solar-Lobbyist zuversichtlich: Dank einer Verordnungsänderung werden neue Kleinanlagen ab April einmalig mit einem Beitrag unterstützt, «das wird viele private motivieren, eine Anlage zu installieren», sagt Nordmann. Zudem dürfen Besitzer von Photovoltaikanlagen künftig den selbstproduzierten Strom direkt verbrauchen und müssen so keine Netzgebühren mehr abliefern, «auch das dürfte weiteren Schub geben».

Doch nach 2016 ist die Entwicklung offen – sie hängt auch von den im Parlament anstehenden Entscheiden zum Atomausstieg ab. Bezüglich der Förderung der erneuerbaren Energien über die sogenannte kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) fordert Nordmann, dass der Deckel der Förderabgabe auf Strom von heute 1,5 Rappen pro Kilowattstunde wie vom Bundesrat vorgeschlagen mindestens auf 2,3 Rappen erhöht werde.

Er verweist auf die Liste aller in Betrieb stehenden sowie der geplanten Anlagen für die Produktion erneuerbarer Energie, die Gelder der KEV erhalten oder diese beantragt haben. Es geht um Solar- und Wasserkraftprojekte, Geothermie sowie die Nutzung von Windkraft und Biomasse. Mit all diesen Projekten liesse laut Nordmann sich mehr Strom produzieren, «als die drei kleinen AKW, nämlich Mühleberg sowie Beznau 1 und 2, heute liefern» – für die Energiewende sei das wesentlich. Deshalb, und speziell weil Solarstrom immer günstiger produziert werde, sei es «zwingend, dass wir eine für die Investoren zuverlässige Lösung für die Jahre nach 2016 haben».

NZZ am Sonntag 12.1.2014, Stefan Bühler

 


Montage einer Solaranlage auf einem Flachdach. (Stans, 8. 3. 2010)